Presseartikel 2022

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Amphibienrettung ist ihre Mission

SZ vom 23. März 2022, Sebastian Dingler

Na­tur­schüt­zer sor­gen ge­mein­sam für si­che­res Ge­leit für Krö­ten, Frö­sche und Mol­che im Tau­ben­tal bei Lim­bach. Da­bei gibt es auch man­ches Pro­blem. Wir ha­ben sie be­glei­tet.

LIM­BACH/BLIES­KAS­TEL | Da wird der Pres­se­ter­min auf fast schon En­de März ver­scho­ben, und trotz­dem sind die Am­phi­bi­en scheu und zei­gen sich (fast) nicht. Nur vier Mol­che tun dem Fo­to­gra­fen den Ge­fal­len und fin­den sich ord­nungs­ge­mäß in den Ei­mern ein, die der Nabu am Marks­wei­her im Tau­ben­tal bei Lim­bach in die Er­de ge­gra­ben hat.

Am­phi­bi­en, auch Lur­che ge­nannt, sind je­ne Wir­bel­tie­re, die ih­re Kind­heit als Kaul­quap­pe im Was­ser ver­brin­gen, ehe sie sich ver­wan­deln, um auch an Land exis­tie­ren zu kön­nen. „Die ha­ben es gern feucht und min­des­tens fünf Grad, wenn sie zum Wei­her wan­dern. Heu­te Nacht war es ein­fach zu kalt“, er­klärt Die­ter Geib vom Nabu Alt­stadt, der zu­sam­men mit dem Nabu Blies­kas­tel den Am­phi­bi­en­zaun auf­ge­stellt hat. Die­ser ist dort not­wen­dig, da­mit nicht zu vie­le Krö­ten, Frö­sche und Mol­che un­ter die Rä­der kom­men. Da­bei ist der Weg zwi­schen Wald und Wei­her ei­gent­lich für den öf­fent­li­chen Ver­kehr ge­sperrt. Trotz­dem fin­den die frei­wil­li­gen Hel­fer des Nabu im­mer wie­der auch über­fah­re­ne Krö­ten, was die Not­wen­dig­keit ih­res Tuns be­weist. Ei­ne Schran­ke, die nur et­wa sechs Wo­chen im Jahr nachts ge­schlos­sen sein müss­te, könn­te all den Auf­wand er­spa­ren. Doch die An­fra­gen des Nabu beim Forst schei­ter­ten dies­be­züg­lich.

Wie schon er­wähnt, war die Nacht zum Sonn­tag zu kalt für Frö­sche und Krö­ten. In den Näch­ten da­vor wur­de al­ler­dings schon viel ge­wan­dert: Am Don­ners­tag­mor­gen krab­bel­ten fast 1000 Krö­ten, über hun­dert Frö­sche so­wie acht der sel­te­nen Kamm­mol­che in die Ei­mer. Stö­cke in den Ge­fä­ßen ver­hin­dern, dass die­se zur töd­li­chen Fal­le für Mäu­se wer­den. Al­ler­dings wer­den sie bis­wei­len von ah­nungs­lo­sen Spa­zier­gän­gern ent­fernt, so­dass die ei­ne oder an­de­re Maus schon ihr Le­ben für den Am­phi­bi­en­schutz las­sen muss­te. Für die Lur­che selbst be­deu­tet das stun­den­lan­ge Aus­har­ren in den Ei­mern un­nö­ti­gen Stress. Ei­nen Vor­teil hat das Sys­tem aber: Geib kann Sta­tis­tik füh­ren. So weiß er, dass der Wei­her von über 6000 In­di­vi­du­en zur Paa­rung ge­nutzt wird.

Et­wa die Hälf­te ist die­ses Jahr bis jetzt er­schie­nen. Ne­ben der do­mi­nie­ren­den Erd­krö­te kom­men al­le vier hei­mi­schen Molchar­ten so­wie der Gras­frosch in das Ge­wäs­ser. Die Wan­de­rung en­det in der Re­gel An­fang April – dann be­gin­nen auch schon die ers­ten Tie­re, wie­der in den Wald zu­rück­zu­keh­ren. In die­sem Jahr ist neu, dass der Zaun selbst durch rot­wei­ßes Ab­sperr­band ge­schützt wird. „Wir wol­len da­mit ver­hin­dern, dass die Au­tos zu nah an den Zaun kom­men. Es ist mehr­fach vor­ge­kom­men, dass der Zaun zer­stört wur­de“ so Geib.

Als Nächs­tes ist ei­ne gro­ße In­fo­ta­fel in Pla­nung. Sie soll den Spa­zier­gän­ger über die Ge­schich­te des Marks­wei­hers so­wie die in ihm le­ben­den Tier­ar­ten in­for­mie­ren. Was dem Nabu nicht so gut ge­fällt: Die Na­tur­land­stif­tung Saar, der das Ge­län­de ge­hört, hat ei­ni­ge Bäu­me am Rand des Wei­hers ab­ge­schla­gen. „Nach mei­nem Ver­ständ­nis, nach mei­nem Hin­ter­grund­wis­sen und mei­nen Re­cher­chen ist das zu viel“, sagt Kat­rin Lau­er von der Nabu-Orts­grup­pe Hom­burg. Die Na­tur­land­stif­tung ha­be ar­gu­men­tiert, dass die Bäu­me zu viel Was­ser aus dem Wei­her ge­zo­gen hät­ten. Ihr sei aber An­fang des Jah­res auf­ge­fal­len, dass trotz vie­len Re­gens der Was­ser­stand tie­fer ge­we­sen sei als in den Jah­ren zu­vor.

Axel Didi­on von der Na­tur­land­stif­tung nimmt da­zu Stel­lung: „Ganz frü­her war der Wei­her kom­plett baum­frei. In ei­nem tro­cke­nen Som­mer zieht so ein Baum 60 bis 80 Li­ter Was­ser am Tag raus.“ Trock­ne das Ge­wäs­ser im Som­mer zu früh kom­plett aus, sei das ein Pro­blem für die dar­in le­ben­den Lar­ven und Kaul­quap­pen. Didi­on in­ter­es­siert sich ne­ben den Am­phi­bi­en für die dort vor­kom­men­den Li­bel­len­ar­ten – seit 1981 be­ob­ach­te er den Marks­wei­her. Frü­her sei noch viel Was­ser aus dem Wald in das Ge­wäs­ser ge­lau­fen, das sei heu­te nicht mehr der Fall, even­tu­ell we­gen des Kli­ma­wan­dels. Man wol­le aber noch Ge­büsch ent­fer­nen, da­mit der Re­gen leich­ter in den Wei­her lau­fen kann.

Für Didi­on die­nen die Maß­nah­men der Ge­höl­z­ent­fer­nung al­so zur Er­hal­tung des Le­bens­raums im Was­ser. Lau­er meint, dass ein na­tür­lich ent­stan­de­ner Tot­holz­hau­fen ent­fernt und durch das frisch an­ge­fal­le­ne Tot­holz er­setzt wor­den sei. „Das er­gibt für mich kei­nen Sinn“, sagt sie. Didi­on be­strei­tet, dass das so ge­we­sen sei. Die Tot­holz­hau­fen, die nun ne­ben dem Ge­wäs­ser lie­gen, sol­len im Spät­herbst ent­fernt wer­den.

 

Die Retter von Kröten, Fröschen & Co

Am Klosterberg: NABU-Mitglieder bringen Tiere in Sicherheit

Kreisanzeiger Homburg - Nr. 26, Freitag, den 1. April 2022

Der asphaltierte Forstweg ins Taubental gehört zu jenen vielbefahrenen „Schleichwegen“, die die Wanderungsroute von Kröten, Fröschen und Molchen queren. 2017 kam es dort zwischen Februar und März zu einem unbeschreiblichen Massaker. Tausende von Erdkröten wurden sprichwörtlich „platt gemacht“. Seither kümmern sich Mitglieder der NABU-Ortsgruppen Altstadt, Blieskastel und Homburg rechtzeitig zur Laichzeit darum, dass ein Krötenzaun am Fuß des nordwestlichen Klosterberg-Hanges die wandernden Kröten stoppt. Beim Versuch, sich seitwärts an der Zaunfolie entlang zu orientieren fallen die Amphibien dann über kurz oder lang in die eingegrabenen Eimer.

Morgens und abends sammeln die Naturschützer dann die Tiere ein, bringen sie über den Forstweg auf die andere Seite in den Uferbereich des Marxweihers. Seit dem 27. Januar sieht man regelmäßig Marion und Dieter Geib aus Altstadt und Katrin und Manfred Lauer aus Beeden beim Einsammeln und retten der Tiere. Dieter Geib führt akribisch Buch und zählt genau nach. Im letzten Jahr waren es 6.651 Tiere. 5.684 Erdkröten, 800 Molche und 167 Frösche bekamen durch die 45 Tage währende Aktion die Chance zum Arterhalt beizutragen. Bis letzten Sonntag waren es im Rahmen der Wanderbewegungen 3.176 Tiere. Weil es an diesem Vormittag leidlich kalt war, war die Ausbeute mit vier Molchen sehr gering. Noch wenige Tage vorher wurden Spitzenzahlen ermittelt. Am 16. März zählte Geib 788 Tiere, tags darauf sogar 1.096. Geplant ist die Unterstützung noch bis zum Dienstag 5. April. (apo)

Schwalben willkommen

Jahrhundertelang waren Schwalben für uns Menschen ganz selbstverständliche Mitbewohner. Heute finden sie leider immer seltener geeignete Nistmöglichkeiten, und auch das Nahrungsangebot wird zunehmend knapp. Deshalb rufen wir alle Hausbesitzer auf, die noch keine Nistplätze für Schwalben an ihrem Gebäude haben und die unser Projekt zum Nutzen der Schwalben unterstützen möchten, sich bei uns zu melden. Wir wissen natürlich, dass Schwalben auch Kot hinterlassen und dies manchen davor abschreckt, eine Nisthilfe aufzuhängen. Hierbei kann ein sogenanntes „Kotbrett“, das unter der Nisthilfe montiert wird, sehr hilfreich sein. Die Nisthilfen für die Schwalben und die Kotbretter stellt der NABU kostenfrei zur Verfügung. Die Montage an Ihrem Gebäude nehmen Sie selbst vor.Wenn Sie gleich mehrere Nisthilfen aufhängen, erhalten Sie zusätzlich eine besondere Auszeichnung mit einer Plakette „Schwalbenfreundliches Haus – Hier sind Schwalben willkommen!“.

Helfen Sie mit, dass Schwalben wieder mehr Lebensräume finden und machen Sie Ihr Haus schwalbenfreundlich. Schwalben sind Teil der biologischen Vielfalt und Indikatoren für einen intakten und artenreichen Siedlungsraum. Außerdem leisten sie als Insektenjäger einen wesentlichen Beitrag zur Kontrolle von Parasiten- und Schädlingspopulationen.

Wenn Sie sich an der Schwalben-Aktion des NABU beteiligen möchten, melden Sie sich bitte bei Dieter Geib (Tel. 06841 80404) oder über infonabu-altstadt.de

Stunde der Wintervögel vom 6. bis 9. Januar 2022

Erste Ergebnisse

In mehr als 110.000 Gärten und Parks wurden nahezu 4 Millionen Vögel gezählt. 160.000 Vogelfreunde haben zu diesem Ergebnis beigetragen.
Bundesweit führt der Haussperling die Rangliste an, gefolgt von Kohl- und Blaumeise, Amsel, Feldsperling und Buchfink. Die Hauptgewinner gegenüber dem Vorjahr sind die Meisen sowie der Buch- und der Grünfink. Im Saarland erreicht die Kohlmeise den ersten Platz, vor dem Haussperling, der Blaumeise und der Amsel; es folgen Star, Elster, Rabenkrähe, Feldsperling und Rotkehlchen. Auch hier konnten die Meisen mit ca. 30% kräftig zulegen, die Amseln sogar mit über 40% gegenüber dem Jahr 2021. Auch im Saarpfalz-Kreis tritt die Kohlmeise am häufigsten auf (+24%), dahinter der Haussperling (-14%), die Blaumeise (+46%) und die Amsel (+28%). Die Gewinner gegenüber dem Vorjahr sind auch hier insbesondere die Meisen und Amseln; zu den großen Verlierern zählen Star, Rabenkrähe, Gimpel, Schwanz- und Haubenmeise sowie Türkentaube. Bei der Interpretation der Zahlen zum Saarpfalz-Kreis ist zu beachten, dass hier lediglich ca. 8.000 Vögel an 230 Standorten beobachtet wurden.

Erfreulich ist es, dass sich die Blaumeisen, die in den Jahren 2020 und 2021 durch das Bakterium Suttonella ornithocola stark dezimiert wurden, wieder deutlich erholen konnten - wahrscheinlich durch vermehrte Bruten. Auch die Zahl der beobachteten Amseln ist nach der Infektion durch das  Usutu-Virus wieder gestiegen. Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass sich die Natur selbst helfen kann. Die im Mai anstehende „Stunde der Gartenvögel“ wird zeigen, ob sich der Trend fortsetzt. Auffällig bei der diesjährigen Zählaktion ist, dass vor allem typische Waldarten wie Eichelhäher, Buntspecht und Kernbeißer deutlich häufiger beobachtet wurden. Vermutlich sind sie wegen des Klimawandels und auch aufgrund einer geringeren Menge an Baumsamen vermehrt zu den Futterstellen in den Gärten und Parkanlagen gekommen. Andere Arten, die auch als Wintergäste zu uns kommen und oft in größeren Trupps unterwegs sind, wie Wacholderdrossel, Erlenzeisig und Schwanzmeise, wurden im Vergleich zum Vorjahr weniger beobachtet. Dies könnten Folgen der milderen Winter in den Brutgebieten dieser Vögel in Nord- und Osteuropa sein. Durch sich immer schneller wandelnde Wetterbedingungen verändert sich auch das Zugverhalten. Es ist sehr wichtig, diese Entwicklungen genau zu beobachten.

Weitere Einzelheiten finden Sie unter www.stundederwintervoegel.de